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Journalismus

Das Verschwinden der Vorvergangenheit

Der Verzicht auf das angeblich zu sperrige Plusquamperfekt macht Texte nicht einfach nur unpräzise. Er führt zu falschen Aussagen.

Irgendjemand hat den Kolleginnen und Kollegen in Radio und TV eingetrichtert, das deutsche Plusquamperfekt sei schädlich und verzichtbar. Am gestrigen Montag vermelden die Deutschlandfunk-Nachrichten, dass mal wieder beim Online-Versender amazon gestreikt wird.
Dazu dann der Satz als Hintergrund: Die Gewerksachaft ver.di „hat“ zum Streik ab Mitternacht aufgerufen.

Der Nachrichtensprecher sagt uns also, dass am Dienstag auch gestreikt wird? Nein, denn die Gewerkschaft „hatte“ aufgerufen zum Streik ab Montag, 0 Uhr.

Der Verzicht auf das angeblich zu sperrige Plusquamperfekt macht also die Nachricht nicht einfach nur unpräzise. Er führt zu einer falschen Nachricht.

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